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Freie Universität Berlin
Grupa badawcza
Topika i Tradycja
Interdyscyplinarne Centrum
¦redniowiecze - Renesans - Okres wczesnonowo¿ytny
Za³o¿enia teoretyczne Zespó³ Cz³onkowie stowarzyszeni
Kalendarium wyk³adów i konferencji Publikacje
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Forschergruppe Topik und Tradition
Interdisziplinäres Zentrum Mittelalter - Renaissance - Frühe Neuzeit
Assoziierte Mitglieder
Andrzej D±brówka Der Zeitfaktor in der Topik von kulturrelevanten Verhaltensweisen
Die zeitliche Verankerung der Topik geht häufig auf historische Ereignisse oder Personen zurück. Die Topik funktioniert dadurch, dass sie auf neue tradierungwürdige Phänomene bezogen wird, wodurch sie zu Bausteinen der Kultur konstituiert werden (das nenne ich Kulturrelevanz). Die Topik fordert damit die Dynamik von Tradition-Innovation, bietet einen Interface zwischen der individuellen Erfahrung und Inkulturation, und sichert die Kontinuität im Transfer der Kultur. Meinen Ausgangspunkt bietet die etwas unerwartete Einstellung von zwei Autoren zu dem historischen Wissenserben das der persönlichen Erfahrung Rechnung tragen solle. Einhart war sich voller bewusst dass sein Wissen über Karls Leben eine Verpflichtung beinhaltet, der er auch in seiner Vita Karoli nachzugehen wusste obwohl er beim Schreiben ganz tüchtig Sueton gefolgt hatte (Hageneier 2004). Der anonyme Vogesische Verfasser der Ecbasis captivi von 1045 fand es auch eine Norm, dass Geschichtsschreiben auf Zeugenberichten und eigener Erfahrung zu beruhen habe. Im II., hauptsächlich theoretischen Stück beziehe ich den überwiegend räumlichen Topikbegriff (locus) auf die Zeit („Einheiten zeitlicher Praxis- bzw. Redezusammenhänge”, J. Ruhloff) und auf das Handlungswissen als Kern der Geschichtsschreibung (R. Bubner), und komme zu der Idee einer kulturbezogenen Geschichtstheorie. Tradierungswürdige Praktiken einer Gemeinschaft bilden deren Kultur und sobald sie eine narrative Form erhalten, werden sie zu Bausteinen von Geschichtskonstruktionen. Im III. Schritt komme ich an das Repertoire von Verhaltensformen die als Präzedenzfälle eine pädagogische Topik von positiven Mustern und negativen Vorbildern ausmachen. Das Präzedenzdenken in diesem paränetischen Bereich der Rhetorik benutzt häufig (pseudo)historische Memorabilia und andere einfache Formen. Zwei Abteilungen der Rhetorik sind hier von besonderem Interesse: die INVENTIO, und die Praxis des Rhetorikunterrichts, der EXERCITATIO. Im IV. Stück werden andere, nichtrhetorische Formen des Präzedenzdenkens miteinbezogen. Hier gehören z.B. Zaubersprüche, die ihren Gültigkeitsanspruch häufig in einem Präzedenzfall gründen; sonst gewisse Rituale, Bräuche, Sagenhaftes, aber auch fortgeschrittene Argumentationstechniken wie die exegetische Typologie und andere Typen der Verzeitlichung von Verhaltensregeln und Erkenntnisformeln die sich selber legitimieren, indem sie auf Präzedenzfälle zurückverweisen. Das letzte, V. Teil ist einem Grenzfall von kulturrelevanten Verhaltensformen gewidmet, solchen ohne Präzedenzanspruch und ganz fiktional somit ohne Zeitbezug. Es sind die memorativen Techniken (wie die Fünfteilung) und Bildkonstruktionen (imagines agentes), konzipiert und verwendet von Rednern, Predigern und allen Schriftstellern (noch im Mittelalter konzipierte man Texte im Gedächtnis, nur das Resultat wurde diktiert und aufgeschrieben). Durch ihren privaten Charakter und den fehlenden Zeitbezug wäre die Kulturrelevanz von imagines agentes zweifelhaft, es sei denn sie wurden wiederholt als Hilfswerkzeuge verwendet und nicht nur von ihrem Erfinder, sondern auch von dessen Lehrumkreis übernommen und weiter tradiiert. Damit wurden sie doch im methodischen Verhalten verankert und als eine ars (Lausberg, §3) die Kontingenz depotenzieren, was (laut Bubner) eine Bedingung der Sinnhaftigkeit von Geschichte darstellt.
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